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Grosse Preise, grosse Wirkung?


Über die Gewinner des Swiss Jazz Award und des Swiss Blues Challenge - Patrick Bianco und seine Band "Cannonsoul" gewannen den Swiss Jazz Award in Ascona.


Mit seinem warmen Alto-Sound und seiner melodiösen Phrasengestaltung sieht sich Patrick Bianco aus Zürich als Traditionalist und Wahrer eines Stücks Jazzgeschichte. Der Saxophonist ist sowohl in führenden Big Bands unter anderem mit Pepe Lienhard als auch mit anderen Projekten aktiv - zum Beispiel in Formationen wie Al Bone, Duo Jazzy, Patrick Bianco Acoustic Trio, Remembering George Robert, in Musicals oder der Zirkusband von Salto Natale. Seit einigen Jahren steht die Band «Cannonsoul» im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Als persönlicher Höhepunkt spielte Patrick Bianco an der 75. Geburtstagsfeier von Quincy Jones im ausverkauften Auditorium Stravinski mit der Swiss Army Big Band und vielen Weltstars.


Ein weiterer Höhepunkt des jungen Musikers, der einige Monate in New York verbrachte und den Wurzeln des Jazz auf die Spur ging, war die Verleihung des 10. Swiss Jazz Award anlässlich des Jazzfestivals in Ascona.


Ein Votum für den Mainstream Jazz


Die Nominierung für den diesjährigen Swiss Jazz Award kam für Patrick Bianco überraschend. «Ich bereiste gerade die Südstaaten, als ich die Nachricht erhielt, dass unsere Band für den Swiss Jazz Award nominiert ist. Natürlich freute mich das sehr. Ich habe gar nicht damit gerechnet», erzählt der Musiker, der 2005 die Hochschule der Künste in Bern mit einem Master in Pädagogik und Performance abschloss. Noch grösser war dann die Freude, als sich die Jury und das Publikum für Patrick Biancos «Cannonsoul» entschieden hatten. «Der Preis bedeutet eine grosse Wertschätzung gegenüber unserem Musikschaffen», sagt Patrick Bianco. Dass sich das Publikum für ihn und seine Band entschieden habe, zeige aber auch, wie beliebt der Straight ahead Jazz sei. «Wir setzen bewusst auf den populären Jazz, obwohl er in manchen Schweizer Clubs nicht oft gespielt wird und weniger von Fördergeldern profitiert als der moderne Jazz. Die Auszeichnung steht somit für eine gewisse Diskrepanz zwischen der Musikförderung und dem Bedürfnis des Publikums.»


«Der Jazz braucht mehr Aufmerksamkeit»


Ob Patrick Bianco und seine Band durch den Preis zu mehr Auftrittsmöglichkeiten kommen werden, kann der Musiker derzeit noch nicht beantworten. Zwei bis drei Anfragen seien bisher eingegangen, befanden sich doch auch einige Konzertorganisatoren anlässlich der Preisverleihung im Publikum.


«Der Preis bringt uns sicher eine zusätzliche positive Ausstrahlung sowie einen gewissen Werbeeffekt», sagt Patrick Bianco. Etwas enttäuscht zeigt sich der Musiker indes vom Echo zum Swiss Jazz Award in den Medien, wo seiner Meinung nach zu wenig über diesen für den Schweizer Jazz bedeutenden Anlass berichtet wurde. «Der Jazz braucht in der Schweiz mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Es wäre schön, wenn diese ehrliche und tiefgründige Musik mehr Platz in den Medien fände.» Als nächsten grossen Programmpunkt plant Patrick Bianco mit seiner Band im Dezember eine Konzerttournee durch die Schweiz und Deutschland. Die Band wird teilweise mit neuen Musikern bestückt sein. Im Frühling stehen zudem drei bis fünf weitere Konzerte auf dem Programm.


Ein tolles Gefühl


Er ist mit dem Blues aufgewachsen und verkörpert ihn auch - so stellt sich Pascal Geiser (36) in seiner Biografie vor. Wunderbare Geschichten verpackt er in Songs, die mal sanft, dann auch wieder sehr temporeich sind. Seine Lieder schreibt der gebürtige Erlinsbacher selber. Dann und wann finden Werke seiner grossen Vorbilder B.B. King oder Buddy Guy Einzug ins Repertoire. Mit seiner Authentizität und Ausstrahlung schaffte es der Musiker ins Finale für den «Swiss Blues Challenge» in Basel, wo er als Sieger hervorging. «Wir haben uns für eine Teilnahme an diesem Wettbewerb entschieden, weil wir wussten, dass stets auch zahlreiche Festival- und Konzertorganisatoren im Publikum sitzen. Auf diese Weise wollten wir unseren Namen ins Spiel bringen», erzählt Pascal Geiser, der - wie er selber sagt - im Grunde genommen kein grosser Fan von Musikwettbewerben ist. Denn: «Aus meiner Sicht ist es schwierig, Musik zu messen. Vieles ist hier Gefühlssache», sagt der Bluesmusiker. Trotzdem sei es ein tolles Gefühl gewesen, als Sieger auf der Bühne zu stehen


Beharrlichkeit und Authentizität


Für Pascal Geiser ist die Auszeichnung eine Bestätigung, dass die Band auf dem richtigen Weg ist - auch wenn sie erst seit fünf Jahren zusammen musiziert. «Der Preis wird uns sicher weiterbringen und hat uns bereits einige zusätzliche Auftritte beschert», freut sich Pascal Geiser. Den Schwung, der durch die Auszeichnung entstanden ist, möchte die Band auch im Marketing nutzen. Als weitere Erfolgsfaktoren, um in der Musik erfolgreich zu sein, nennt Pascal Geiser Beharrlichkeit und Authentizität. «Wir stehen mit unserer Band nach fünf Jahren erst am Anfang. Nur mit harter Arbeit und Geduld kommt man weiter», sagt der Bandleader. Als grösste Motivation bezeichnet er die Freude an der Musik und die Chance, ein interessiertes Publikum zu unterhalten. Wie geht es weiter? Im Januar 2017 werden Pascal Geiser und seine Band die Schweiz am «International Blues Challenge» in Memphis vertreten. Und im April spielt die Formation anlässlich des «European Blues Challenge» in Dänemark. Bis Ende Jahr stehen zudem verschiedene Konzerte auf dem Programm.


Zeitungsartikel über Patrick Biancos Band "Cannonsouls"
Grosse Preise, grosse Wirkung?

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Jazztime_2016
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